„Narr“ bis „Nubbelverbrennung“

Narr

Der Narr ist – historisch und kulturell betrachtet – eine äußerst vielschichtige Figur. Im deutschen Karneval wird der Begriff „Narr“ weitgehend gleichbedeutend mit „Jeck“ benutzt: Der Narr ist einfach jemand, der gerne Späße macht und Karneval feiert.

Im Mittelalter dagegen war der Narr, wie er in bildhaften Darstellungen erscheint, keineswegs positiv besetzt – im Gegenteil. Der Narr stand dem Teufel nahe, galt als ungläubig und symbolisierte Tod und Vergänglichkeit. Selbst die Hofnarren, die seinerzeit auf Adelshöfen angestellt waren, hatten weitgehend ernste Aufgaben: Sie sollten den Fürsten an die Sünde und die Endlichkeit des irdischen Lebens erinnern.

Erst seit dem 14. Jahrhundert änderte sich langsam das Bild des Hofnarren. Vom ernsten Mahner entwickelt sich sein Berufsbild hin zum Unterhalter und Spaßmacher. Es entwickelte sich die besondere Rolle des Narren, der der Obrigkeit (insbesondere dem Adel) in Späße verpackt die „Wahrheit“ sagen durfte, ohne eine Bestrafung fürchten zu müssen. Auch der Karnevalsnarr bediente sich (und bedient sich noch heute) dieses Stilmittels. Schon in früheren Jahrhunderten galt der Karneval als Ausnahmezustand, während dem Kritik an der Kirche und an weltlichen Machthabern erlaubt war.

Narrenbaum

Der Narrenbaum der schwäbisch-alemannischen Fasnet erinnert optisch an den Maibaum. Auch historische Querbezüge zum Maibaum sind möglich, aber nicht endgültig bewiesen. Dieser rund 30 Meter hohe Baum wird am Schmotzigen Donnerstag (Weiberfastnacht) in einer Gemeinde aufgestellt und in der Nacht zum Aschermittwoch wieder eingeholt.

Der typische Narrenbaum ist ein Nadelbaum, bei dem Rinde und Äste weitgehend entfernt wurden. Nur ein Rest der Krone bleibt erhalten. In manchen Fällen trägt der Baum zusätzlich einen Kranz, der mit kleinen Geschenken bestückt ist. Geschickte und mutige Kinder können den Baumstamm hinaufklettern und die Geschenke abnehmen.

Narrenkappe

Zu einem rheinischen Karnevalisten gehört nicht irgendeine Kopfbedeckung, sondern selbstverständlich eine Narrenkappe. Sie ist in der Regel aus haltbarem Stoff gefertigt, trägt mehrere bunte Farben und ist manchmal mit Schellen besetzt. Eine typische, weit verbreitete Narrenkappe ahmt mit ihren drei Zipfeln die Form eines Hahnenkamms nach.

Der Hahnenkamm ist ein traditionelles Attribut eines „Narren“ und bedeutet im 15. Jahrhundert eher nichts Gutes: Der Hahn wie der Narr galten als der Fleischeslust verfallen, und fern der Liebe Gottes. Außerdem waren die Narrenkappen dieser Zeit mit Eselsohren besetzt, was unter anderem Dummheit und Trägheit symbolisierte.

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert ist die Kappe vor allem ein modisches Erkennungszeichen des Karnevalsnarren. Im Jahr 1827 war es sogar vorgeschrieben, im Kölner Karneval eine Narrenkappe zu tragen. Waren die Kappen in jener Zeit noch aus Papier hergestellt und wurden am Ende einer Session öffentlich verbrannt, begleiten sie die Mitglieder eines Karnevalsvereins heutzutage jahrelang.

Narrenruf

Der Narrenruf ist die standesgemäße Begrüßung unter Jecken/Narren. In den deutschsprachigen Regionen, in denen Karneval gefeiert wird, haben sich viele verschiedene Narrenrufe ausgeprägt. Manchmal hat jede Stadt einen eigenen, ganz speziellen Ruf.

Am bekanntesten und zugleich am weitesten verbreitet sind die Narrenrufe „Helau“ und „Alaaf„. Während Helau in sehr vielen Gebieten Deutschlands „verstanden“ wird, konzentriert sich die Verwendung von Alaaf auf die rheinischen Karnevalshochburgen, vor allem Köln. In Norddeutschland ist außerdem der Ruf „Ahoi“ recht weit verbreitet. Eine Übersicht über viele Narrenrufe bietet das Lexikon Wikipedia.

Narrensprung

Der Narrensprung ist nichts anderes als der allgemeine Begriff für einen Fastnachtsumzug, wie er im Sprachgebrauch der schwäbisch-alemannischen Fastnet verwendet wird.

Bei einem typischen Narrensprung marschieren die verschiedenen Zünfte (Fastnachtsvereine) nach Figuren geordnet mit. Jede Figur trägt ein anderes Häs (Fastnachtskostüm). Nur wenige Figuren „spingen“ tatsächlich während eines Narrensprungs – machen dafür aber einen erheblichen Lärm, wie die Glocken tragenden Weißnarren. Begleitet wird der bunte Fastnachtszug von Musikkapellen, die zum Beispiel auf Fanfaren oder Schalmaien spielen, oder die populäre Guggenmusik anstimmen.

Das Wort des Narrensprungs stammt ursprünglich aus dem Ort Rottweil und hat sich von dort verbreitet.

Narrenzunft

„Narrenzunft“ ist die im schwäbisch-alemannischen Raum übliche Bezeichnung für einen Fastnachtsverein. Vergleichbar den rheinischen Karnevalsvereinen, haben auch die Narrenzünfte die Aufgabe übernommen, das lokale Brauchtum zu pflegen und Fastnachtsveranstaltungen vieler Art zu organisieren. Dazu zählt insbesondere der Fastnachtsumzug, der so genannte Narrensprung.

Heute bestehen schätzungsweise 1700 Narrenzünfte, die vorwiegend in den 1920er Jahren gegründet wurden. Der Vereinsvorstand dieser „Zünfte“ trägt die Bezeichnung Zunftmeister. Elferrat, gewählte Karnevalsprinzen oder andere Figuren des rheinischen Karnevals sind hier völlig unbekannt.

Narrhallamarsch

Der Narrhallamarsch (eine Wortschöpfung aus „Narr“ und „Walhalla“) ist das vielleicht berühmteste Musikstück des Faschings überhaupt. Seine Heimat hat der Marsch, der in unzähligen Karnevalssitzungen gespielt wird, in der Mainzer Fastnacht.

Der geistige Urheber des 1844 erstmals aufgeführten Narrhallamarschs war der Regiments-Kapellmeister Karl Zulehner. Zulehner kam aus Österreich, war aber Mitglied des 1838 gegründeten „Mainzer Carneval-Vereins“. Die Originalmusik, die Zulehner lediglich neu arrangierte, stammte aus der Oper „Der Brauer von Preston“ des französischen Komponisten Adolphe Adam.

Es ist übrigens kein Zufall, dass ein Marsch eine solch hohe Bedeutung im Karnaval erlangen konnte: Vor allem im 19. Jahrhundert, in dem viele der heutigen Traditionen ihren Anfang nahmen, hatten die Karnevalisten ein hohes Bedürfnis, militärische Bräuche aufzugreifen und zu verulken. Dies gilt auch für die Gardetänze, die ebenfalls militärisches Zeremoniell widerspiegeln.

Nelkensamstag

Der Begriff Nelkensamstag ist in einigen Karnevalsregionen eine andere Bezeichung für den Karnevalssamstag, der dem Rosenmontag vorangeht. Der Karnevalssonntag heißt manchmal auch Tulpensonntag.

Am Nelkensamstag findet unter anderem der Kölner Geisterzug statt.

Nubbelverbrennung

Der Nubbel ist eine Puppe (oft eine Strohpuppe), die in der Nacht vom Veilchendienstag zum Aschermittwoch (also ganz am Ende des Karnevals) öffentlich verbrannt wird. Mit dieser Verbrennung befreien sich viele rheinische Narren symbolisch von den kleinen Sünden der Karnevalszeit, wie zum Beispiel übermäßiger Alkoholgenuss.

Der Nubbel, dessen Puppe während des Karnevals vor allem vor Kneipen aufgehängt wird, muss als „Sündenbock“ für die allzu menschlichen Laster herhalten. Nach seiner Verbrennung kann die christliche Fastenzeit ohne Sündenballast beginnen. Dieser Brauch wird unter anderem in Köln gepflegt und hat wohl historische Querbezüge zur Verbrennung des „Zacheies“ zum Ende einer Kirmes, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts bekannt ist.