„Basler Fasnacht“ bis „Bützchen“

Basler Fasnacht

In Basel findet alljährlich die größte Fastnacht der Schweiz statt. Sie ist zugleich die einzige bedeutende Fastnacht, die in protestantischen Gegenden gefeiert wird. Rund 18.000 aktive „Fastnächtler“ sind dann genau 72 Stunden lang auf den Straßen unterwegs.

Die „Basler Fasnacht“ beginnt, anders als die meisten Karnevalsveranstaltungen weltweit, am Montag nach Aschermittwoch. Der Grund für diesen späteren Termin ist eine verkürzte vorösterliche Fastenperiode, bei der die Sonntage nicht als fastenfrei galten. Den Start zur Basler Fasnacht markiert der berühmte Morgestraich um 4 Uhr am Montagmorgen – den Endpunkt der so genannte Ändstraich um 4 Uhr des Donnerstags.

Eine tragende Säule der Fasnacht sind die als „Cliquen“ bezeichneten Narrenzünfte. Diese Cliquen widmen sich jedes Jahr einem speziellen Fasnachtsmotto, das sich auch in ihren einheitlichen, meist aufwändig erstellten Kostümen ausdrückt. Die Cliquen ziehen zum einen „frei“ durch die Basler Innenstadt und beteiligen sich zum anderen an den Cortèges, den Fasnachts-Umzügen. Die Umzüge, die sich auf einer festen Route bewegen, werden von Trommeln, Piccoloflöten und Guggenmusik begleitet.

Basler Trommel

Die so genannte Basler Trommel wird unter anderem während der Basler Fasnacht eingesetzt. Hier spielt sie eine wichtige Rolle in den Tambourengruppen, die zur Fasnacht vor allem Marschmusik einstudieren.

Diese Trommelart zeichnet dadurch aus, dass sie mit zwei Fellen bespannt ist – eines oben und eines unten. Auf diese Weise ist beidseitig bespielbar.

Bauernfastnacht

Obwohl die Bauernfastnacht vor allem im bäuerlichen Brauchtum anzutreffen ist, haben die historischen Hintergründe nichts mit Bäuerlichkeit zu tun. Insofern ist die Bezeichnung „Alte Fastnacht“ zutreffender.

Das Wort Bauernfastnacht beschreibt das Phänomen, dass die Fastnacht in einigen Regionen der Schweiz, Österrreichs sowie nördlich des Bodensees mit fünf Tagen Verspätung endet. Der letzte Tag der Fastnacht ist also nicht – wie sonst üblich – der Dienstag, sondern der darauf folgende Sonntag (der Funkensonntag).

Der Grund für diese Verschiebung liegt beinahe ein Jahrtausend in der Vergangenheit: Im Jahr 1091 beschloss die kirchliche Synode von Benevent, dass die Sonntage während der vorösterlichen Fastenperiode künftig fastenfrei sein sollten. Um aber weiterhin insgesamt 40 Tage zu fasten, wurde der erste Fastentag im Kalender nach vorne verlegt, und zwar auf den heutigen Aschermittwoch. Allerdings gab es einige Regionen, die sich nicht an diesen Kirchenbeschluss hielten und ihre Fastnacht – die Bauerfastnacht – bis auf den heutigen Tag am ursprünglichen Termin enden lassen!

Beueler Wäscherinnen

Die Beueler Wäscherinnen sorgten für eine weibliche Emanzipation innerhalb des zuvor männlich dominierten rheinischen Karnevals: Die Wäscherinnen aus dem heutigen, rechtsrheinischen Bonner Stadtteil gründeten 1824 ein Damenkomitee und erzwangen die Teilnahme beim Karneval. Dieses engagierte Auftreten legte den Grundstein für die Weiberfastnacht, die heute in sehr vielen Orten gefeiert wird. Der symbolische Sturm der Beueler Frauen auf das Rathaus zur Weiberfastnacht wird sogar im Fernsehen übertragen.

Seit 1958 wird die Beueler Wäscheprinzessin gewählt. Sie entspricht etwa einer Karnevalsprinzessin.

Bräuteln

Das Fastnachtsbrauchtum des Bräutelns wird in etlichen Ortschaften der Region Hohenzollern-Sigmaringen gepflegt. Je nach Ort sind unterschiedliche Varianten dieser Tradition überliefert.

Im Kern des Brauches geht es stets darum, der Freude über die jüngsten Hochzeiten bzw. der Vorfreude auf kommende Hochzeiten Ausdruck zu geben. Zu diesem Zweck werden die gebräutelten Personen beispielsweise auf eine Stange gesetzt oder, in einer derben Variante, in einen kalten Brunnen geworfen. Außerdem ist es üblich, dass die Gebräutelten (frisch Verheiratete, Jubilare, Zugereiste) Würste, Brezel, Süßigkeiten oder Bier an die Dorfgemeinschaft verteilen.

Bund Deutscher Kanneval

Der Bund Deutscher Karneval fungiert als Dachverband der deutschen Faschings- bzw. Karnevalsvereine. Er bildet die Spitze einer mehrstufigen Struktur aus Landes- und Regionalverbänden, in denen die Vereine organisiert sind. Etwa 4800 Vereine sind hier Mitglied.

In der Praxis hat sich der Bund Deutscher Karneval vor allem der Brauchtumspflege sowie der Nachwuchsförderung verschrieben. Außerdem richtet der Verband die „Deutsche Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport“, betreibt das Deutsche Fastnachtmuseum und verleiht einen eigenen Kulturpreis.

Büttenrede

Die Büttenrede ist einer der Höhepunkte einer Karnevalssitzung: Ein Redner steigt, begleitet von einem Büttenmarsch, zu seinem Pult (der Bütte) hinauf, um einen gereimten, meist mundartlichen Vortrag zu halten. Die Büttenrede kann sehr bissig und politisch sein, aber auch mit harmlosen Witzen ausstaffiert.

Das Versmaß einer Büttenrede ist in der Regel sehr einfach. Häufig wird ein Paarreim verwendet. Eine Rede hat meist mehrere Strophen, die mit einer Pointe enden, die von einem lauten Tusch markiert wird, den die Musiker an der passenden Stelle einspielen.

Da das Wort „Bütte“ eigentlich ein Fass meint, ist das Rednerpult oft fassartig gestaltet. Wie es historisch betrachtet zu dem Zusammenhang zwischen Fass und Karnevalsrede kam, ist nicht geklärt.

Bützchen

Vor allem im Kölner Karneval verteilen die Karnevalisten nicht nur Kamelle, sondern auch Bützchen. Ein Bützchen ist ein Kussmund mit geschürzten Lippen.

Solche Bützchen gibt es bei zahlreichen Gelegenheiten, zum Beispiel von den Wagen der Karnevalsumzüge herab oder bei der Weiberfastnacht. In der Regel ist dieser Kussmund nicht mehr als eine freundlich-fröhliche Geste – ohne jede erotische Bedeutung.